Doppelt Grund zum Feiern auf der Zugspitze

08/07/2020

90 Jahre Zahnradbahn und 200 Jahre Erstbesteigung.

Deutschlands höchster Gipfel wird 2020 im Zeichen von zwei besonderen Jubiläen stehen. Am 27. August 1820 erreichte der erste Mensch den Westgipfel der Zugspitze und am 8. Juli 1930 fand vor staunendem Publikum die Jungfernfahrt der neu errichteten Zahnradbahn auf den Schneeferner statt. Zwei historische Meilensteine für die Erschließung des symbolträchtigen Bergs, die es zu zelebrieren gilt.  

„Da kimmt ma ned nauf!“, beharrten Einheimische bis ins 19. Jahrhundert hinein angesichts der fast senkrechten, schier unbezwingbaren 2.962 m hohen Felsspitzen. Nach Hirten und Jägern, die auf ihren Streifzügen womöglich schon früher den Zugspitzgipfel erklommen hatten, fiel Leutnant Joseph Naus die Ehre der offiziellen Erstbesteigung zu. Mit diesem Husarenstück läutete der Vermesser eine neue Ära auf der Zugspitze ein. Von alpinistischer Neugierde und sportlicher Begeisterung getrieben, folgten bald weitere Gipfelexpeditionen und das 1851 aufgestellte goldene Gipfelkreuz strahlte hell über dem aufkommenden Fremdenverkehr im Werdenfelser Land. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts trieben die neu gegründeten Alpenvereine die Erschließung der Alpen voran. Neue Aufstiegsrouten auf die Zugspitze und das 1897 feierlich eröffnete Münchner Haus am Gipfel erlaubten es auch weniger geübten Bergsteigern, Deutschlands höchsten Berg zu erklimmen. 

Vision und Mission: Das Bergerlebnis für jedermann

Parallel dazu etablierten sich ab Ende des 19. Jahrhunderts die Bergbahnen, um möglichst allen Menschen ganz mühelos die faszinierenden alpinen Landschaften nahezubringen. Diesen Leitgedanken verfolgte auch die 1928 gegründete Bayerische Zugspitzbahn. Mit dem Bau der letzten Großzahnradbahn der Welt verwirklichte sie eines der kühnsten Bahnprojekte in den Alpen und markierte einen weiteren Wendepunkt in der regionalen Tourismusgeschichte. Die technische Meisterleistung auf der Zahnradbahn-Strecke vom Bahnhof Grainau bis zur Station Zugspitzplatt bestand im Bau des 4.453 m langen Tunnels vom Riffelriss durch das Bergmassiv zum Schneefernerhaus mit einem Höhenunterschied von 1.010 m. Bereits am 8. Juli 1930 konnte die große Eröffnungsfahrt bis zur Station Schneeferner über die Bühne gehen, samt feierlicher Einweihung durch den damaligen Erzbischof vor geladenen Gästen, die mit einem Sonderzug der Reichsbahn aus München anreisten.
Auf die geglückte Pioniertat sollten in der Unternehmensgeschichte der Bayerischen Zugspitzbahn noch viele weitere mutige Erschließungsprojekte folgen. Dank ihnen erleben Bergfreunde aus aller Welt rund um die Zugspitze eine einmalige Kombination von Technik und Natur. Auch die Zahnradbahn behauptet sich – nach ständiger Modernisierung der Wagen und einer 1985 neu gebauten Tunneltrasse direkt ins Skigebiet – bis heute. Als nostalgisches Zugpferd neben der topmodernen Seilbahn Zugspitze und als zuverlässiges Transportmittel auf einer der aufregendsten Bahnstrecken Deutschlands. 

200 Jahre Erstbesteigung Zugspitze

Am 27. August 1820 um 11.45 Uhr wurde Deutschlands höchster Gipfel zum ersten Mal bestiegen. Diese Besteigung war kein Zufall, sie erfolgte nach langwierigen Vorbereitungen. Heute kann man sich die Mühen und Anstrengungen dieser Erstbesteigung mit der einfachen, wenig funktionellen Ausrüstung im weglosen Gelände und ohne Karten und WetterApp kaum mehr vorstellen.

Bereits im Juli 1820 unternahm der junge Leutnant und Vermessungsingenieur Josef Naus zahlreiche Erkundungs- und Vorbereitungstouren am Schneeferner. Der Schneeferner war 1820 ein respektabler Gletscher mit einer im Vergleich zu heute geradezu riesigen Ausdehnung. Am 26.August schließlich startete Naus zusammen mit Bergführer Johann Tauschl aus Partenkirchen und seinem Gehilfen und Träger Maier den entscheidenden Gipfelvorstoß über die sogenannte Reintalroute. Nach einer Nacht in der Hirtenunterkunft Angerhütte erreichten die Bergsteiger kurz vor Mittag den mit 2962 Metern höchsten Punkt Deutschlands.

Als weithin sichtbaren Beweis Naus rammte seinen „Bergstock mit einem daran befestigten Sacktuch“ in den Schnee – als für seine Besteigung. Eine lange Gipfelrast war den dreien allerdings nicht beschieden. Blitz und Donner vertrieben sie und nach „mehrfachen Lebensgefahren und Mühen“ erreichten sie um 3 Uhr nachts wieder ihre Hirtenunterkunft.

Nach wie vor gilt die Reintalroute als „Normalweg“ auf die Zugspitze. An der Stelle der Hirtenunterkunft steht heute die Reintalangerhütte, 700 Höhenmeter weiter oben empfängt die Knorrhütte die müden Bergsteiger. Ein weiterer Meilenstein sollte 110 Jahre später folgen: 1930 wurde die Zugspitzbahn eröffnet, eine eindrucksvolle Ingenieursleistung an Deutschlands höchstem Berg.

Vom 27.-30. August 2020 wird das 200-jährige Jubiläum zur Zugspitz-Erstbesteigung mit Touren rund um die Zugspitze und einem Rahmenprogramm in der Ludwigstraße in Partenkirchen gefeiert. Weitere Informationen hierzu gibt es unter 200jahrezugspitze.de

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